Hans-Jürgen Gödecke


Sieben Jahre V 8 haben mich zum Hobby gebracht

Zu Zeiten meiner Selbstständigkeit in der Verkaufsförderung war es für mich wesentlich als Vielfahrer entspannt und mit viel Equipment reisen zu können. Der Dollarkurs stand damals Ende der 70ziger Jahre günstig, der Spritpreis war für mich relativ, was lag näher als ein Amischlitten. Ein Chevrolet Blazer K 5, Automatik, klimatisiert, V8, 5,7 Ltr. mit 175 PS war mein treuer Begleiter über sieben Jahre hinweg. Eine Zeit, an die man gerne zurückdenkt, wenn einem einmal im Leben das Blubbern eines V8 in den Bann geschlagen hat. Das "Herausfallen" aus dem Auspuff der vielen 5.-Markstücke beim Beschleunigen klingelt noch heute in meinen Ohren; mit seinem 120 Ltr.-Tank war man auf allen Tankstellen gern gesehener Gast. Gleiches traf für die Werkstätten zu, denn zu den Zeiten waren schmutzige Hände für mich ein Greul und technisch befand sich mein Wissen jenseits von Gut und Böse: Zündkerzen? Ja, ich glaube die hat er, wo?


Einer "Fachwerkstatt" verdanke ich das abrupte Ende dieses Lebensabschnittes. Schlappe 19.000.- DM Autokosten in einem Jahr, eine unbeabsichtigte Hammerchlag-Neulackierung (zur Zeit der Fussball-WM stand der Lackierer nur unter "Strom") und ein Chevy, der Dank der Fachwerkstattempfehlung (das der Allrad sich nicht mehr ausschalten lässt ist nicht schlimm!?) nur noch rückwärts fahren wollte beendeten diese meine "Autoliebe" schlagartig.

Zeitgleich endete mein Vertrauen vor Gericht in so fast alle Autowerkstätten und was da mit zu tun hat und ich stellte einem väterlichem Freund die Frage nach einem fahrbarem Untersatz für meine Erfordernisse und meinem Level technischem Verständnis. Die Antwort des Dipl. Ing. war: "Kauf´ Dir den NSU/VW K 70. Den habe ich selbst in der Garage als alter NSU-Fan. Der ist technisch relativ einfach aufgebaut, das begreifst auch Du irgendwann einmal und ich helfe Dir mit Tipps und Tricks auch wenn ich selbst durch meine Krankheit nicht mehr am K 70 arbeiten kann. Den kenne ich auch so in und auswendig!"


Durch diese Aussage bestärkt, durch meine neue Liebe Romy gestärkt und mit der Aussicht im Hinterkopf niemehr eine Werkstatt zu benötigen machte ich mich per Zweiter Hand auf die Suche. Schnell wurde ich fündig und bald war ein 73ziger VW K 70 mit 100 PS und einer Zweifarbenlackierung aus Lichterfelde mein Eigentum. Einstiegspreis 500.-DM; dazu kamen noch gleich Ersatzteileinkäufe in der gleichen Höhe, bevor ich zwecks Ummeldung zur ASU bei Bosch vorfuhr. Grinsend fragte mich der Prüfer: "4-Zylinder? Jaaa! Der hier aber nicht mehr, Kompressionsdruck auf Zylinder vier gleich 1,5 bar! Motorschaden!" "Warum habe ich das bei der Probefahrt nicht bemerkt": war meine Frage. "Das hätten Sie erst bei einer Autobahnfahrt merken können. Die Dinger sind so gut konstruiert, die fahren so auch noch selbst zum Schrottplatz": war die wieder mit einem Lächeln untermalte Fachantwort.

Na spitze! Also Kaufvertragsrücktritt, da der Mangel nicht genannt wurde! War auch kein Problem, Gott sei Dank. Die Verkäuferin hatte mittlerweile ein neues Auto und ich Ersatzteile ohne ein Auto. Ihr Angebot dann, den K trotzdem zu nehmen ohne einen Kaufpreis zu entrichten nahm ich leichtsinnigerweise an. Leichtsinnigerweise deshalb weil ich zwar wusste, was zu tun war aber nicht übersah was da auf mich zurollte. Wieder Zweite Hand, wieder ein K 70. Diesmal aber probegefahren auf der Autobahn, technisch einwandfrei gepflegt, Karosseriemäßig fertig, von einem netten alten Herrn in Wilmersdorf. Der Anfang meiner "Schrauberzeit" stand nun unmittelbar bevor. Motorwechsel war angesagt und damit fängt man ja als Laie bekanntlichermaßen immer an! Sollte ja ganz simpel beim K 70 sein.




Ungefähr 3 Monate später, Wochenende für Wochenende bei Freunden auf dem Grundstück in Rudow, hilfreich unterstützt durch Romy´s Schwager und dem Rest der Familie war mein Einstieg in die Schrauberei vollbracht. Mein und unser erster K70 war nun mit neuem 100 PS Aggregat fahrbereit, hatte neuesten TÜV und ASU und das erste Teilelager war auch angelegt, dank der Organpenden des zweiten, diesmal gelben K 70 in meiner Oldtimer-Laufbahn. Und alles nur weil man keine professionelle Hilfe in Anspruch nehmen wollte – gebranntes Kind scheut eben das Feuer.

Monate später wurde ich dann auch zum Fan meines NSU/VW K 70 und meine Romy schloss sich gleich einmal an. Wir fuhren mit unseren beiden großen Jungs nach Irland in den längst fälligen Urlaub. Nun fährt man nicht einfach so los nach Irland sondern in Kenntnis der dortigen Lebenshaltungskosten versorgt und belud man das Reisegefährt mit allem was hier günstiger ist. Man kann nur staunen, was der Kofferraum eines K70 so alles in der Lage ist zu schlucken. Was da nicht mehr reinpasst, passt in den Fußraum der Rücksitze und mittels verchromter Kofferbrücke eines MG´s auf den Kofferraumdeckel. Derartig bepackt, mit vier Personen besetzt begeisterte unser neues, altes Lieblingsauto mit Fahrleistungen und Komfort uns während des ganzen Urlaubs. Es heimste bewundernde und staunende Blicke überall dort ein, wo wir damit auftauchten. Es stellte Kontakte und Sympathie her und verhalf uns allen zu einem unvergessenem Urlaubserlebnis in Irland und England. Eine gerissene Antriebswellenmanschette war unser einziges Problem und wurde provisorisch von einem irländischen Mechaniker (ohne passendes Ersatzteil) so haltbar geflickt, das diese Notreparatur noch Monate danach am Kchen verblieb.


So motiviert suchte ich natürlich irgendwann Kontakt zu Gleichgesinnten, man fängt an Wissenswertes zu sammeln, informiert sich und in meinem Fall schloss sich fast nahtlos 1988 die Gründung der 1. K70-Interessengemeinschaft Deutschlands in Berlin an. So entwickelte sich bei mir die zuvor nicht vorhanden gewesene Neigung zu Vereinen aus der Einsicht heraus, dass bestimmte Notwendigkeiten in der Gruppe leichter zu erreichen sind. Und sei es nur die Ersatzteilbeschaffung für ein von der Industrie ungeliebtes Fahrzeug. Diese Ungerechtigkeit in meinen Augen stachelt dann den Ehrgeiz um so mehr an. Ganz nebenbei war dies dann die Geburtsstunde meines Oldtimer-Hobby´s. Man kauft, man sammelt, man hilft und sucht andere "Verrückte", 1991 ging die 1. K70-Interessengemeinschaft Deutschlands in den eingetragenen Verein K70-Freunde auf, dessen Gründungsmitglied u.a. auch ich war. Fünf Jahre lang war ich dort 3. Vorsitzender für Publik Realation zuständig und Herausgeber der ersten K70 Vereinszeitung "K70-Depesche", die 1990 von Andreas Jacob aus Berlin ins Leben gerufen wurde. Die mittlerweile entstandene K70-Szene in Deutschland spaltete sich bald darauf bedauerlicherweise und das konnte nur noch konterproduktiv für unser aller Lieblingsauto sein. Leider veränderte sich auch die Vereinsführung unseres Markenvereins in einer Art und Weise, die ich für mich nicht mehr verantworten konnte und so zog ich mich im Jahre 1995 aus der Vorstandsarbeit zurück und schied als Mitglied der K70-Freunde e.V. aus.

Verändert hatte sich auch meine Oldtimer-Leidenschaft und sich in Richtung NSU mit dem Erwerb eines 1200 TT und eines RO 80 entwickelt. Der K70 aber blieb mein Favorit. Nach gut 20 Fahrzeugen dieses Typs, die irgendwie durch meine Hände gingen, nach ca. 5 Tonnen gesammelter Ersatzteile hatte sich tatsächlich mein technisches Verständnis entwickelt und gipfelte in jahrelanger Wartungsarbeit an der letzten in Deutschland noch zugelassenen K70 Taxe in Berlin. Karosseriearbeiten waren und sind aber bis heute mein Greul geblieben und dies wird wohl als "Holzmensch" der ich nun einmal bin auch so bleiben.



Geblieben ist auch meine ganz persönliche negative Erfahrung mit markentreuen Vereinen und so war es für mich ziemlich klar – wenn noch mal Verein, dann nur markenfrei und dem Hobby Oldtimer im Grundsätzlichem verpflichtet.

Im Jahre 1996 ergab sich dann zufällig dazu die Gelegenheit hier in Berlin. Auf der Suche nach Werkstatträume stieß ich auf Gleichgesinnte, gründete mit Ihnen zusammen die Oldtimer-Garage Berlin/Brandenburg e.V. in der Hoffnung ein schon vorhandenes Objekt unserer Begierde mit dieser Rechtsform mieten zu können. Dies scheiterte dann leider am Zeitfaktor und der Gemeinde Hirschfelde, die sich kurzfristig für andere Interessierte entschied. So kam ich mal wieder zu einem Verein.


Zu meinem Lieblingsverein, dessen Werdegang man an gleicher Stelle unter Info nachlesen kann und der sich durch seine Idee, die dahintersteckt und die von allen Mitgliedern mit Begeisterung und fortschreitend umgesetzt wird, auszeichnet. Dazu mein Lieblingsoldie, nach wie vor der silberne K70 Baujahr 1971, der dank vieler Vereinsmitglieder seit dem Jahre 2001, von seinen Blechblessuren befreit, mit seinen noch nicht einmal 70.000 km und einem der ersten H-Kennzeichen eines K70 wieder stolz und mit viel Freude "ausgeführt" werden kann.

In diesem Sinne, mit luft- (zu K70-Zeiten natürlich ohne) und wassergekühltem Gruss und einem freundlichem Auspuffgeklapper,
Euer/Ihr Hans-Jürgen Gödecke


(Daten siehe K 70 in der Fahrzeugdatenbank)


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letzte Änderung Dienstag, 1. Januar 2008