Karsten AntelmannBorgward-Infizierter
Fahrzeuge, fahrbereit:
Fahrzeuge, in Arbeit:
Mein Weg zur Isabella...1942 - Mitte 50er Jahre Baby- und Kinderträume mit Kinderwagen, Bollerwagen, Schlitten, Flüchtlingseisenbahn, Fahrrad, Roller, Roll- und Schlittschuhen. Anfang 50er Jahre - 1960 Erste Schraubererfahrungen durch Demontage der elektrischen Eisenbahn, Wand-, Taschen- und Armbanduhren sowie von Küchengeräten. Mäßiger Erfolg der Restaurationsbemühungen.
Frühe Orientierung zur Marke Borgward als Mitfahrer in Vater Lieferwagen: Zuerst ein Goliath 3-Rad aus der Vorkriegszeit, Hinterradantrieb, Kardanwelle und Mittelmotor. Dann kam der "Theodor": Lloyd LT 500, 386 ccm, 13 PS, Motorraum und Bodengruppe aus Stahl, der Rest Holz, Spriegel und Sperrholz, rundum verglast. Die Urform der heutigen Großraumlimousinen. Dann gab´s den schnelleren LT 600 mit 19 PS. Da waren nur noch die hinteren Ecken aus Sperrholz. Das Geld war knapp. Vater reparierte auf der Straße, unterstützt und behindert durch den neugierigen Bastlersohn. Der LT 600 überstand die ersten illegalen Fahr- und Rangierübungen auf einsamen Straßen. 1960 - 63 Den Führerschein gab´s nach 5 Fahrstunden und ein wenig Theorie pünktlich zum 18. Geburtstag. Dann 1960 Vaters erstes nagelneues Auto. Ein Luxus-Van: Lloyd LT 600, 4-Takt, Wasserkühlung, Ganzstahl, rundum verglast, Schiebescheiben, verlängertes Fahrgestell, hellblau, 7 Personen oder 1/2 to Nutzlast im 3,3 cbm Laderaum, 80 km/h, 6 l/100 km.
Urlaubsfahrten, Cruisen, Party-hopping ohne BVG, Freunde transportieren. Die Welt war fast in Ordnung. Mädchen aufreißen klappte nicht so gut. Das großzügige Platzangebot brachte keinen entscheidenen Vorteil gegenüber den Käfer Cabrios, Fiat 600, NSU, Renault Floride, BMW 700, Papas Opel, Ford oder Mercedes. Sogar Kreidler Florett und DKW Hummel waren da erfolgreicher. Der Lloyd war Anfang der 60er Jahre nur noch komisch!
1964 Versteigerungen brachten Autos. Reparieren, aufmöbeln und verhökern spülte etwas Geld in die Studententasche. Repariert und mit der Sprühdose lackiert wurde auf der Straße. Zeitungen und Gips verschwanden in überflüssigen Hohlräumen, Spachtel, Lack und Unterbodenschutz machten die Sache TÜV-fähig. Die eigene Mobilität war gewährleistet durch einen Käfer. VW 1200 Export, Bj. 1958, der erste mit großer Heckscheibe aber noch mit Winkern in der B-Säule, schwarz mit Faltverdeck. 1968, das Jahr der Entscheidung Nach Käfern, Kapitän, Samba-Bus usw. dann der große Schlag: An einem schönen Frühlingstag ein 1964 sichergestellter Borgward Isabella Coupe´ Bj. 1960 ersteigert, am nächsten Tag einen Ford 17 MTS, die "Badewanne". Der 58er Käfer war schon arg bandagiert, die Endspitzen weg, Handbremsseil gerissen, Heizbirnen durch (ich glaub´ der Aschenbecher war auch voll!?): Also weg damit! Student ohne Geld, mit Freundin. Flitziges Luxus-Coupe´ einer untergegangenen Automarke oder 4-sitzige Familienkutsche der Etablierten? Ein Vernunftbetonter kaufte die Badewanne. Das Borgward Coupe´ blieb. Rot/weiße Liegesitze, 1,5 Ltr. mit 75 PS - das war schon was. Meister Schulz und Meister Müller von Schultze & Hahnelt, bis 1961 Borgward-Vertragswerkstatt (danach Opel) in Berlin-Steglitz versprachen Reparaturmöglichkeit und Ersatzteilversorgung. Der Rückhalt war wertvoll, der studentische Etat erzwang aber weiterhin Eigenleistung bei Reparaturen und Improvisation. Außerdem wollte Opel keine Fremdfabrikate auf dem Hof - genau wie Volvo keine bei Hobitz in Neukölln. Krauthahn in Charlottenburg spielte jetzt in der Rolls-Royce-Liga und reagierte höchst aggressiv, obwohl der Junior Anfang der 60er Jahre mit einer Isabella noch Ralleys gefahren ist. Nach der entscheidenen Borgward-Infektion im Jahre 1968 (also ein 68er?) folgten mehrere Coupes. Ein originales Limousinen-Cabrio von Deutsch wurde 1978 nicht fahrbereit und vergammelt gekauft und scheunengelagert.
1994 - heute Die Coupé- Phase ist beendet. Das letzte Coupé ist fertig.
Die Restauration des Cabrios beginnt und dauert bis zum Jahrestreffen der Borgward Interessengemeinschaft 1996 in Berlin. Erst ein Polo dann ein Golf I mit heißer 75 PS Maschine dient der Fortbewegung in diesen 2 1/2 Jahren. 1996 eines der raren originalen Borgward Isabella TS Cabrios von Deutsch hat es bis heute durch fleißige Hände zahlreiche nachgebaute, sogenannte kastrierte, gefälschte Brüderchen bekommen.
Die Infektion von 1968 und die frühe Prägung in der 50er Jahren steigerte sich. Sucht-Symptome stellten sich ein. 1998 kam eine restaurierte HANSA 1700 Cabrio-Limousine von 1938 in die Familie.
1999 dann der absolute Luxuswagen der frühen 50er Jahre: Borgward HANSA 2400 S, genannt "Fließheck". Die Suchtbefriedigungstherapie war fast erfolgreich.
Jetzt wartet nur noch ein Lloyd LS 400 S von 1954 auf die Wiederbelebung.
Isabella Cabrio oder das Fließheck werden täglich gefahren. Ein modernes Elektronik-Paket auf Rädern brauche ich nicht. Geschraubt wird überwiegend selbst. Größere Dinge erfordern Hilfe. Fahren und Schrauben machen mir viel Freude. Den Autos tut´s gut. Viele Mitmenschen erinnern sich staunend und anerkennend an die schönen und technisch zukunftsweisenden Fahrzeuge des Borgward-Konzerns: Borgward - Goliath - Lloyd. Von 1964 bis 68 und 1994 bis 96 ohne Borgward! Für die paar Momente in meinem Autofahrerleben hoffe ich auf Absolution wenn ich dereinst Konsul Dr.h.c. Carl F.W. Borgward auf einer weißen Wolke begegne.
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