Martina Luther


Auf Umwegen in Die Oldtimer-Garage ... oder endlich BMW fahren


manchmal gehen Träume doch in Erfüllung (dank der Wende). Allerdings war es in unserem Fall ein größerer Umweg über einige Autos, die inzwischen zum Teil auch schon Youngtimer wären.


Schon als kleiner Junge träumte mein Frank immer davon, einmal einen BMW zu fahren. Besonders, seit er das Auto seines Onkels aus Bad Hersfeld kannte, einen BMW 2000 Baujahr 1971.

Aber erstens war er noch zu jung und zweitens gab es bei uns ja nicht eben mal 'nen BMW zu kaufen. Also tröstete er sich erst mal mit Modellautos (die aus'm "Westen") und dann später mit dem "Ostzonen-Mercedes" namens LADA. Da ihn schon mal erblicherweise der Autovirus voll erwischt hatte, schraubte und bastelte er sich Stück für Stück,bzw. Auto für Auto nach "oben". Ziel (erstmal): LADA 1600.


Meine Träume beschränkten sich mangels Alter, Geld und dem passenden Führerschein währenddessen auf eine Simson S50, die etwa zu ca. 75 % verchromt und auf Hochglanz poliert, mit Crosslenker, TS-Spiegeln, einem selbstgebauten Cockpit zur Steuerung der Zusatzscheinwerfer ausgestattet war. Ich war verdammt stolz auf das Teil und den Umstand, dass ich zu der Zeit weit und breit in unserem Kiez das einzige "motorisierte" Mädel war und somit auch die "VOPO's" immer wieder verblüffen konnte. Das hatte allerdings auch den Vorteil, dass ich immer etwas glimpflicher davon kam, wenn uns mal wieder eine Verkehrs-oder Geschwindigkeitskontrolle auflauerte.

Ein anschließendes Abenteuer mit einer ES 150 blieb nur eine kurze Liäson - ein schwerer Unfall eines Freundes nahm mir die Freude an zwei Rädern.


Und das war er: der ERSTE. Ein ehemaliger "Schrotthaufen", Baujahr 1974, über Beziehungen von der DAZ, der ehemaligen DDR-Autoverwertung erworben und komplett restauriert. Er bildete sozusagen den Grundstein und war das Lehrstück, an dem Kenntnisse des Schraubens erworben und erfolgreich getestet wurden.


Das war dann schon unser erstes gemeinsames Auto, ein 1500er LADA, dunkelgrün, Baujahr 1973 und ein richtiges Schmuckstück. Mit ihm haben wir mehrfach unsere Touren nach Ungarn unternommen - hier ein Zwischenstopp in Ostende in Tschechien.


Übrigens haben wir etliche Jahre entweder auf den Ungarn-Trip gespart oder die Differenzsumme zwischen zwei Autos abgezahlt. Denn auch, wenn die Autos sich bei uns immer dem Neuzustand näherten und somit auch entsprechend den Wiederverkaufswert hatten, fehlte immer wieder ein gewisses Sümmchen am nächsten "guten Stück". Diesen Betrag liehen wir uns von Franks Vater und konnten dann ratenweise abstottern. Aber irgendwie, wenn wir gerade mit Auto und Abzahlen fertig waren, lockte schon wieder ein tolles Angebot. Wie auch im Falle des nächsten Autos, einem 1600er Lada in rot Baujahr 1981.


Obwohl der uns auch mal wieder ein gehöriges Stück Arbeit verschaffte, denn der Vorbesitzer (dieser Wahnsinnige) war der Ansicht, dass entweder die Chromleisten nicht an dieses Auto gehören oder wie auch im Falle des Kühlergrills mattschwarz lackiert sein müssten. Na ja und auch sonst hatte er wohl einiges zu leiden. Also wieder mal das ganze Programm, um das Auto in den uns genehmen Zustand zu bringen, so wie es alle Fahrzeuge vor ihm und auch nach ihm über sich ergehen lassen mussten.


Aber das Resultat konnte sich dann - wie immer - sehen lassen.


Einige andere Episoden waren unter anderem mein erstes eigenes Auto, ein Opel Kadett D 1.3 SR Recaro und danach ein Opel Astra 1.3 Baujahr 1993 - ein Privatleasing-Abenteuer für 3 Jahre, sowie bei Frank ein BMW 318i Baujahr 1985 in weiß (nie wieder ein weißes Auto - diese Arbeit...), von dem leider kein Foto erhalten ist und ein BMW 320i in diamantschwarz und mit M-Ausstattung, Baujahr 1988, sowie ein Audi 80, Baujahr 1991 in tornadorot.

Dann stolperten wir, die wir seit der Wende immer wieder die einschlägigen Autozeitungen lasen und natürlich auch den Oldtimer-Markt, 1997 über ein Annonce. Ich muß dazu sagen, dass uns trotz all der verschiedenen Autos der Gedanke an einen BMW der 02er-Reihe nie losgelassen hatte.

In dieser Anzeige wurde ein BMW 1502, Baujahr April 1976 in lindgrün angeboten. Zustandsangabe wurde mit "3" gemacht. Wir rätselten über die Postleitzahl. Ich fand dann heraus, dass das Auto in Kaufbeuren stand, wo wir auch schon unseren Urlaub verbracht hatten.

Ein Anruf unsererseits klärte die Zustandsangaben dann noch genauer auf und ganz spontan beschlossen wir, am folgenden Wochenende mit ICE-Night nach Kaufbeuren zu fahren und uns das Auto anzusehen. Wenn es nichts wird, haben wir eben mal einen kleinen Ausflug gemacht, dachten wir uns.

Als unser Zug in den Bahnhof einfuhr, fuhr zur selben Zeit der BMW am Bahnhofsgebäude vor. Durch die offenen Türen des Gebäudes konnte ich das Auto in diesem Moment schon sehen und sofort stand für mich fest: das ist ER.

Nach ausgiebiger Besichtigung, Probefahrt und einem netten Frühstück machten wir uns, natürlich mit dem Auto auf die Reise in Richtung Berlin. Da der BMW aber lange Standzeiten hinter sich hatte, bekamen wir immer wieder Probleme mit dem Radbremszylinder hinten rechts- er klemmte. Mit Hilfe einer kleinen Werkstatt bekamen wir ihn dann jedoch einigermaßen wieder flott und fuhren stolz wie "Oskar" nach Berlin. Auf dem Weg nach Hause bekamen wir dann auch schon mit, was es bedeutet, ein solches Auto (auch wenn es noch kein Oldtimer ist) zu fahren. Man grüßte und winkte uns zu. Immer wieder staunten Leute auch über den doch recht guten Original !- Zustand des Autos. Und wir waren glücklich.


Endlich angekommen mit unserem "Schätzchen".

Natürlich wurde auch er einer gründlichen Überholung und Reinigung unterzogen. Einige kleinere Schönheitsreparaturen mußte er auch über sich ergehen lassen. So etwa an der Frontschürze und den beiden vorderen Kotflügeln.


Alles andere, bis auf die Verschleißteile natürlich, ist im Originalzustand und darauf sind wir stolz, auch wenn wir wissen, dass dies auch der guten Behandlung durch die Vorbesitzer zu verdanken ist.


Da wir schon, bevor dieses Auto in unseren Besitz kam, gerne Oldtimer-Veranstaltungen besuchten und dann natürlich erst recht, kamen wir irgendwann mit der Oldtimer-Garage Berlin-Brandenburg in Kontakt. Da uns sehr gut gefiel, dass auch Youngtimer wie unser BMW und verschiedene Marken mit von der Partie waren und eine sehr gute Stimmung untereinander herrschte, beschloss ich, dort Mitglied zu werden, um diese Vereinsidee zu unterstützen. Ich habe bis heute viel Spaß bei den verschiedenen Veranstaltungen gehabt und ich glaube, unser "Murkel", wie wir in getauft haben, auch.

Übrigens: inzwischen haben sich zu unserem 02er noch ein BMW 320i Coupe und ein Opel Astra 1.6 16V gesellt, so dass wir ein schönes Trio aus alt und neu beieinander haben.

Aber am meisten Spaß macht es uns, mit unserem "Murkel" an den Ausfahrten oder Ausstellungen mit der Oldtimer-Garage teilzunehmen, denn welcher Oldtimer- oder Youngtimerbesitzer präsentiert sich nicht gern.

Frank und Martina


(Daten siehe BMW 1502, in der Fahrzeugdatenbank)


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letzte Änderung Dienstag, 1. Januar 2008